Newsletter #19 Mai 2026

// Editorial

Liebe Freund*innen der con gressa,

sie ist eine Matchmakerin zwischen Wissenschaft und gesellschaftlichen Partnern, brennt für gute Kommunikation, Dialog und Beteiligung – die promovierte Politikwissenschaftlerin Melanie Kryst ist neue dritte Geschäftsführerin bei con gressa.

Wer mehr über ihre Gedanken und Ziele in der neuen Position wissen möchte: Hier im Newsletter ist es nachzulesen.

Herzlich willkommen im Team, liebe Melanie Kryst!

Außerdem in unserem Newsletter: Insights aus der Vereins- und Geschäftsstellenverwaltung, Sorgsamkeit in der Sprache, unser neues Projekt „Wissen zwischen Büchern“ mit Berliner Bibliotheken, die WISSENSWERTE und die Talkreihe Enter: Science der DFG.

Viel Spaß beim Lesen!

Mit den besten Wünschen

Susann Morgner, Jörg Weiss
Geschäftsführung con gressa GmbH

// Neues aus der Agentur

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Willkommen im Team!

Interview mit Dr. Melanie Kryst: Seit Mitte April verstärkt sie die Geschäftsführung bei con gressa

Warum wechselst Du von einer Uni zu einer Agentur?

Beruflich bin ich eine ständige „Grenzgängerin“ zwischen Wissenschaft und Praxis. Was mich motiviert, ist relevante Forschung für gesellschaftlichen Wandel zu stärken. Dieses Ziel braucht innerhalb der Universitäten vor allem strategischen Willen und gute Konzepte. Daran habe ich in den letzten Jahren bei der Berlin University Alliance mitgewirkt – in einem großartigen Team. Was das Wissenschaftssystem dann braucht: Die passenden Agenturen, die Leitbilder mit Leben füllen. Für mich ist der Wechsel zu con gressa auch von dem Wunsch genährt, näher ans Geschehen zu kommen: Ich mag das Tempo und die Dynamik (und manchmal auch Reibung!), die an den Schnittstellen entsteht. Dann merke ich: hier passiert was Neues!

Um welche Erfahrungen ergänzt Du das con gressa-Team?

Ich habe langjährige Erfahrungen bei der Organisation von Multi-Stakeholder-Prozessen, bei denen gemeinsam mit Forschenden an konkreten Verbesserungen – oft vor Ort – gearbeitet wird. Das hat viel mit Verständigung und „Übersetzung“ der unterschiedlichen Logiken zu tun. Da können wir zum Beispiel viel von der partizipativen Stadtentwicklung lernen und auch europaweit den Austausch suchen. Ich denke, ich bringe ein sehr breites Methoden-Repertoire mit, um gelungene Vernetzung zu organisieren, von Open Space über Design Thinking bis zu Deep Democracy.

Was verstehst Du unter Wisskomm und welche Impulse aus der partizipativen Forschung möchtest Du einbringen?

Wissenschaftskommunikation ist für mich idealerweise keine Einbahnstraße, sondern ein Prozess, in dem beide Seiten lernen. Dafür müssen die Strukturen – an den Stellen, wo es Sinn macht – entsprechend angelegt sein. Die partizipative und transdisziplinäre Forschung spricht oft von „Austausch auf Augenhöhe“. Das bedeutet für mich allerdings keine Gleichmacherei und die Einigung auf den kleinsten gemeinsamen Nenner – das ist oft eher langweilig für die Beteiligten. Die Kunst ist vielmehr, dass die verschiedenen Expertisen in ihrer Tiefe dargestellt und vom Gegenüber verstanden werden können. Das beste Erlebnis ist für mich immer, wenn Forschende einen Aha-Moment durch den Austausch mit außer-wissenschaftlichen Partner*innen haben. Dann weiß ich, es hat sich gelohnt!

Strategie oder Bauchgefühl?

Im Laufe der Jahre: Bauchgefühl. Manchmal versteht der Kopf erst hinterher, warum eine Entscheidung richtig war.

Leuchtturmprojekte oder viele kleine Formate?

Schon immer: Groß denken! Kleiner wird’s mit der Realität schon von selbst.

Wissenschaft oder Gesellschaft?

Aktuell: Gesellschaft. Die Angriffe auf die Wissenschaft sind leider Teil einer gesamtgesellschaftlichen Bedrohung – da müssen wir uns alle drum kümmern.

// Aus der Praxis

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Vereins- und Geschäftsstellenverwaltung über Tools

Die Betreuung von Vereinen und Verbänden wird schnell komplex – gerade wenn Mitgliederverwaltung, Finanzen und Kommunikation in digitalen Lösungen zusammenkommen sollen. In unserer Geschäftsstellenbetreuung haben wir kürzlich in drei von uns betreuten Vereinen neue Software eingeführt. Was uns bei der Auswahl wichtig war und welche Lösungen sich bewährt haben:

Wir betreuen im Rahmen unserer Geschäftsstellenarbeit Vereine mit sehr unterschiedlichen Größen – von rund 100 bis zu über 1.500 Mitgliedern, teilweise auch mit internationalen Mitgliedern. Entsprechend vielfältig sind die Anforderungen an eine gute Administration.

Ein zentraler Baustein ist dabei die passende Software. In drei von uns betreuten Vereinen haben wir kürzlich neue Systeme eingeführt. In zwei Fällen nutzen wir die Software auch für die Vereinsfinanzen, also für Rechnungsstellung, Anbindung des Vereinskonto und eine einfache Buchhaltung.

Bei der Auswahl waren für uns einige Punkte entscheidend: Unterschiedliche Mitgliedskategorien (z. B. Einzelpersonen und Institutionen) müssen sauber abbildbar sein. Ebenso wichtig ist die Möglichkeit, abweichende Rechnungsadressen und separate E-Mail-Adressen für den Rechnungsversand zu hinterlegen – wer mit öffentlichen Einrichtungen arbeitet, weiß warum. Das Backend sollte einfach und übersichtlich sein. Außerdem war uns wichtig, eine DSGVO-konforme Lösung einzusetzen und keine sensiblen Daten in den USA zu verarbeiten.

Zum Einsatz kommen bei uns aktuell zwei Tools: Für Bundesverband Hochschulkommunikation und den Verein zur Förderung des deutschen und internationalen Wissenschaftsrechts nutzen wir Webling. Die Schweizer Software ist sehr übersichtlich, flexibel und deckt viele Anforderungen der täglichen Vereinsarbeit gut ab – von der Mitgliederverwaltung über Buchhaltung bis zur Kommunikation.

Für EUSEA (European Science Engagement Association) setzen wir easyVerein ein, eine aus Deutschland stammende Anwendung. Ausschlaggebend war hier insbesondere die Zweisprachigkeit (Deutsch/Englisch), die für den internationalen Kontext notwendig ist. Gleichzeitig bringt die Software ebenfalls die zentralen Funktionen für Verwaltung und Finanzadministration mit.

Beide Lösungen erleichtern unsere Arbeit und sind grundsätzlich empfehlenswert. Besonders hilfreich sind Funktionen wie der Versand von E-Mails an Mitglieder oder die Möglichkeit für Mitglieder, ihre Daten selbst zu aktualisieren.

Unser Fazit: Die passende Vereinssoftware hängt stark vom konkreten Anwendungsfall ab. Die grundlegenden Anforderungen decken die meisten Lösungen gut ab – gleichzeitig wird keine Software alle Spezialfälle vollständig abbilden können. Dafür braucht es in der Praxis oft pragmatische Workarounds und ein gewisses Maß an Flexibilität. Entscheidend ist, die eigenen Anforderungen vorab klar zu definieren und Prioritäten zu setzen – auch mit Blick auf Aspekte wie Datensicherheit, die im Zweifel wichtiger sind als einzelne Komfortfunktionen. So lässt sich eine Lösung finden, die die tägliche Arbeit wirklich unterstützt. Wir beraten Sie gerne!

// Was uns bewegt

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Sorgsamkeit in der Sprache

Susann Morgner

Etwas läuft nicht wie erwartet und man sammelt mentale Munition für einen zweiten Anlauf. Ich werfe nicht die Flinte ins Korn oder trete den Rückzug an, sondern nehme die Sache in Angriff. Fällt Ihnen etwas auf? Unsere Alltagssprache ist mehr von militärischen Begriffen geprägt als uns lieb sein sollte.

Es war ein Aha-Moment für mich, neulich in einem Videocall, in dem es u.a. um Verantwortung (in) der Wissenschaftskommunikation ging. Eine Kollegin verwies darauf, dass wir in unserer Alltagssprache ziemlich schnell „aufrüsten“ und nicht selten zu starke Ausdrücke benutzen, die der eigentlichen Situation möglicherweise gar nicht angemessen sind. Und nicht selten (jedenfalls häufiger, als ich dachte) haben solche Redewendungen einen militärischen Hintergrund. Meine Sammlung aus einer Woche: mit jemandem auf Kriegsfuß stehen, ins Kreuzfeuer geraten, auf verlorenem Posten stehen oder das Kriegsbeil begraben. Da kommt eine Antwort wie „aus der Pistole geschossen”, eine Nachricht “schlägt ein wie eine Bombe” oder man fährt „schwere Geschütze“ auf, um ein Argument zu verstärken. Selbst die berühmt-berüchtigten „Deadlines” haben ihren sprachlichen Ursprung in einer tödlichen Grenzlinie aus der Zeit des Amerikanischen Bürgerkriegs (1861 bis 1865).

Bilder und Vergleiche bereichern unsere Sprache, machen sie lebendig und ausdrucksstark. Das soll so bleiben. Vielleicht ist es aber an der Zeit, „verbal abzurüsten“. So können wir uns immer noch „engagieren“, „durchsetzen“ und „Meilensteine erreichen“ – nur eben ohne dabei so zu tun, als stünden wir auf einem Schlachtfeld (ich bin unendlich froh, dass ich das nicht muss) statt am Schreibtisch zu sitzen.

// Umdenkempfehlung

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Impulse für mehr Haltung gegen autoritäre Bedrohung der Wissenschaftsfreiheit

Was tun gegen Angriffe auf wissenschaftliche Einrichtungen durch rechtsautoritäre (Wahl-)Programme und ihre Unterstützer*innen? Verschiedene Organisationen und Forschende sind sich einig: Schweigen reicht nicht – Solidarität muss aktiv gelebt werden. Die derzeit laufenden Webinare der Initiative Demokratische Wissenschaft (WissDem) zeigen konkret, wo Handlungsbedarf besteht und wie sich das Wissenschaftssystem widerstandsfähig machen kann.

Im Webinar „Das rechtsautoritäre Playbook“ erklärt zum Beispiel Marie Wachinger von der Allianz Rechtssicherheit für politische Willensbildung, wie gezielt zivilgesellschaftliche Akteure deligitimiert werden – ein Muster, das zunehmend auch die Wissenschaft trifft, in der ganze Felder als “Agenda-Wissenschaften” diffamiert werden. Im Webinar „Wie resilient ist das Hochschulrecht?“ analysiert Nikolas Eisentraut (Leibniz Universität Hannover und DZHW), wie anfällig die rechtlichen Strukturen des Wissenschaftssystems für politische Einflussnahme sind und welche Schutzmechanismen greifen können. Ergänzend macht das Webinar „Resiliente Hochschulfinanzierung in der ungesicherten Demokratie“ deutlich, wie Eingriffe auch indirekt über materielle Eingriffe auf die Hochschulfinanzierung erfolgen können und welche Strategien geboten sind – darunter auch kommunikative, um eine belastbare Haltung gegen autoritäre Bedrohungen zu entwickeln. Die Konsequenz für alle: Wissenschaftsfreiheit braucht sichtbare, kollektive Verteidigung – für Solidarität im System, unabhängig von konkreter Betroffenheit.

// Was wir tun

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Auf in die Bibliotheken!

Allein Berlin verfügt über 82 öffentliche Bibliotheken mit rund 10 Millionen Besuchen jährlich – ein enormes Potenzial für Wissenschaftskommunikation. Mit „Wissen zwischen Büchern“ nutzen wir diese Orte gezielt als Plattform für Austausch und Beteiligung. Während der Berlin Science Week vom 1. bis 10. November 2026 gestalten Forschungseinrichtungen passgenaue Veranstaltungen direkt in den Kiezen – niedrigschwellig, lokal verankert und mitten im Alltag.

„Wissen zwischen Büchern“ ist ein Kooperationsprojekt, das Berliner Exzellenzcluster und weitere Forschungseinrichtungen mit den Stadtteilbibliotheken des VÖBB vernetzt, unterstützt durch die Berlin Science Week und con gressa. Die Bibliotheken bieten Räume und Zugänge, um auch Menschen anzusprechen, die bisher wenig Berührungspunkte mit Forschung hatten.

Das Programm kann so vielfältig werden, wie die Bibliotheken es auch sind: von Lesungen, Science Slams und Book Clubs über Workshops bis hin zu partizipativen Angeboten wie Hackathons, Barcamps oder Diskussionsrunden zu lokalen „Hot Topics“. Themen wie Energie, Umwelt oder gesellschaftliche Entwicklungen werden dabei bewusst mit dem jeweiligen Stadtteil verknüpft und gewinnen so an direkter Relevanz. Alle Veranstaltungen werden gebündelt und im Rahmen der Berlin Science Week berlinweit sichtbar gemacht.

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Enter: Science – Der Zukunftstalk

Wissenschaft betrifft uns alle – oft mehr, als wir denken. Enter: Science lädt ein, aktuelle Forschung zu den wichtigen Themen unserer Zeit verständlich, alltagsnah und im Dialog zu erleben. Am 13. Mai geht es um „Behandlung nach Maß“ und die Frage, was Personalisierte Medizin leisten kann. Wir schaffen wir eine Medizin, die nicht nur die Besonderheiten des einzelnen Menschen berücksichtigt, sondern für alle verfügbar und bezahlbar ist?

Mit „Behandlung nach Maß – was kann personalisierte Medizin leisten?“ startet Enter: Science am 13. Mai in die neue Veranstaltungsreihe in der Bundeskunsthalle Bonn. Wir entwickeln das dramaturgische Konzept, bereiten die Themen auf und suchen einen dritten Gast, der die beiden Wissenschaftler*innen auf der Bühne ergänzt. Seit 2026 liegen auch Veranstaltungsorganisation, Regie und Bewerbung in den Händen von con gressa.

Und worum geht es am 13. Mai?

Im Mittelpunkt steht eine Frage, die viele betrifft: Wie individuell kann Medizin heute schon sein – und wer profitiert davon? Ziel der Personalisierten Medizin ist es, Therapien stärker auf einzelne Menschen zuzuschneiden. Dafür werden biologische Merkmale, Gesundheitszustand und Lebensumstände berücksichtigt. Besonders in der Krebsbehandlung gibt es hier bereits große Fortschritte.

Gleichzeitig wirft diese Entwicklung neue Fragen auf: Wie aufwendig und kostenintensiv sind solche Verfahren? Und wird der Zugang für alle gewährleistet sein?

Enter: Science bringt Wissenschaftler*innen und Publikum ins Gespräch – verständlich, alltagsnah und offen für alle Perspektiven.

Seien Sie dabei: Diskutieren Sie mit, stellen Sie Ihre Fragen vor Ort oder begleiten Sie uns auf Instagram unter @enter_science

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Foto: David Ausserhofer

WISSENSWERTE

Zum dritten Mal in Folge organisieren wir die WISSENSWERTE – die jährliche Netzwerkkonferenz der Wissenschaftsjournalist*innen. Rund 400 Wissenschaftsjournalist*innen, -kommunikator*innen und medieninteressierte Forschende kommen jedes Jahr zu dieser Konferenz.

Die WISSENSWERTE bieten an drei Tagen ein abwechslungsreiches Programm mit prominent besetzten Podiumsdiskussionen, Vorträgen, Workshops und Exkursionen zu aktuellen journalistischen und wissenschaftlichen Themen. Seit der Etablierung der Konferenz im Jahr 2004 hat sich das Treffen zur wichtigsten wissenschaftsjournalistischen Veranstaltung im deutschsprachigen Raum entwickelt.

2026 ist in mehrerlei Hinsicht besonders – zum einen haben wir die European Conference of Science Journalism (ECSJ) in Deutschland zu Gast und veranstalten diese gemeinsam mit der WISSENSWERTE. Und dort wird außerdem der 40. Jahrestag der WPK gefeiert. Also vormerken: 14. – 16. Oktober 2026 in Hannover.

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EUSEA-Tagung

Im Mai 2026 findet die Konferenz der European Science Engagement Association (EUSEA) in Luxemburg statt – ein zentrales Treffen für europäische Wisskomm-Expert*innen. Die Veranstaltung stößt in diesem Jahr auf besonders großes Interesse. Wir begleiten die Konferenz im Rahmen unserer Geschäftsstellentätigkeit für EUSEA und werden auch vor Ort vertreten sein.

Die EUSEA-Konferenz 2026 wird vom 19. bis 21. Mai an der Universität Luxemburg in Belval ausgerichtet. Das Konferenzthema „In Other Words and Other Worlds: Confronting Assumptions for Better Engagement“ setzt den Rahmen für Beiträge, die sich mit impliziten Annahmen in der Wissenschaftskommunikation und im Public Engagement beschäftigen.

Im Zentrum stehen Fragen danach, wie Sprache, institutionelle Kontexte oder disziplinäre Perspektiven beeinflussen, wie Engagement gestaltet und verstanden wird.

Unser Geschäftsführer Jörg Weiss wird neben seiner Rolle als Geschäftsführer von EUSEA auch mit einer Panel-Moderation im Programm vertreten sein: „Whose Science Is It Anyway? Democracy, Integrity, and the Fight for the Public Good“. Diskutiert wird dort unter anderem, welche Werte Public Engagement leiten sollten, wie sich „public good“ konkret bestimmen lässt und wie sich veränderte Rahmenbedingungen – etwa politische Entwicklungen oder den Einsatz von KI – auf die Vermittlung von Wissenschaft auswirken.

Bereits jetzt zeichnet sich ab, dass es eine der größten EUSEA-Konferenzen der letzten Jahre wird. Entsprechend vielfältig ist die Bandbreite an Perspektiven, die im Mai zusammenkommen werden.

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